Kennedy-Attentat: ARD fungiert als Verschwörungs-TV

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Vielgelobter Verschwörungsmüll aus dem Jahr 1991: Oliver Stones „JFK – Tatort Dallas“

Heute vor 50 Jahren wurde John F. Kennedy in Dallas von Lee Harvey Oswald erschossen. Oswald war Kommunist, lebte eine Zeitlang in der Sowjetunion, hasste Amerika, den Westen und vor allem den amerikanischen Präsidenten. Eine Dreiviertelstunde nach dem Attentat erschoss er einen weiteren Menschen, den Polizisten J. D. Tippit, der ihn festnehmen wollte.

Lee Harvey Oswald litt unter Schizophrenie und weiteren Persönlichkeitsstörungen, das lässt sich aus seiner Biographie herauslesen. Er war ein Einzelgänger und es ist eine Tatsache, dass er beide Morde ohne Beteiligung anderer Personen geplant und ausgeführt hat. Nichtsdestotrotz ranken sich um das Ereignis die verrücktesten Verschwörungstheorien, die unvermindert – und wohl bis in alle Ewigkeit – weitergesponnen werden.

Dieses Blog trieb diesen Unsinn satirisch auf die Spitze, indem es behauptete, Kennedy habe Selbstmord begangen. Eine ähnlich bizarre Theorie kann man heute Abend im 1. Programm des deutschen Staatsfernsehens bewundern. Alan Posener schrieb in der Tageszeitung DIE WELT:

[…] als ihren einzigen Beitrag zum Jahrestag sendet die ARD den alten Oliver-Stone-Film „JFK“. Dieser Film ist ein Skandal.

Stones Film-Held ist Jim Garrison. Der publicitysüchtige Bezirksstaatsanwalt von New Orleans klagte 1967 den Geschäftsmann Clay Shaw an, Kopf einer Verschwörung zur Ermordung Kennedys zu sein. Beweise hatte Garrison keine, denn der kultivierte und liberale Shaw hatte mit dem Präsidentenmord nichts zu tun. Er wurde am 1. März 1969 freigesprochen. Im Zuge der Ermittlungen hielt Garrison seine Ermittler dazu an, Zeugen zu bestechen, einzuschüchtern und sogar zu hypnotisieren, um sie zu Aussagen gegen Clay zu bewegen. Viele Mitarbeiter kündigten lieber. […]

Der verrückte Jim Garrison ging von einer „Schwulen-Verschwörung“ aus, zu der Lee Harvey Oswald und ebenso dessen späterer Mörder Jack Ruby gehört hätten.

Nach dem Prozess meinte die „New York Times“ in einem Leitartikel, die Verfolgung Shaws sei „eines der schändlichsten Kapitel in der Geschichte des amerikanischen Rechtswesens“.

Eine Verschwörung scheint umso plausibler zu werden, je höher die Anzahl der involvierten Personen ist und umso weitreichender die Kreise sind, die mit der Angelegenheit zu tun haben:

Zwischendurch ging Garrison von mindestens 16 Schützen aus, die im Auftrag der CIA und anderer dunkler Mächte dem Präsidenten in Dallas aufgelauert hätten, etwa in einem Straßen-Gully. […]

Der „militärisch-industrielle Komplex“ stehe hinter dem Anschlag. Als Experten für diesen Teil des Filmes heuerte Stone den Scientologen und Hochstapler L. Fletcher Prouty an, der 1988 den Neonazi David Duke als Präsidentschaftskandidaten unterstützt hatte und den Holocaust für eine jüdische Erfindung hält.

Die ARD-Verantwortlichen hingegen sind frei von Wissen und der Fähigkeit, logisch zu schlussfolgern. Sie halten die irren Verschwörungsthesen des Jim Garrison, und die Art und Weise, wie Oliver Stone sie kolportiert, für plausibel.

Garrison plausibel? […] (es) handelt sich im Gegenteil um jenes uralte Märchen von der „rechten Verschwörung“, das Radio Moskau schon am Tag nach der Tat verbreitete, und die von linken Kreisen seitdem ad nauseam nacherzählt wird, um die einfache Tatsache zu verdecken, dass Lee Harvey Oswald Kommunist war und aus Überzeugung handelte.

Die Wikipedia zum Ausgang des Prozesses:

Shaw wurde weniger als eine Stunde, nachdem der Fall an die Jury ging, freigesprochen.

Er starb am 15. August 1974.

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Veröffentlicht am 22. November 2013 in Mord & Totschlag, Unrechtsjustiz und mit , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. die McCarthy-Prozesse gingen als „Hexenprozesse“ ins kollektive Bewußtsein ein.

    der republikanische mag bei seiner Kommunistenjagd übers Ziel hinausgeschossen sein.

    beim Kommunismus handelte es sich jedoch nicht um eine irreale Unterstellung, sondern um eine weit verbreitete politische Bewegung.

    der JFK-Prozess, den Oliver Stone in seinem Film verherrlicht hatte, wies hingegen tatsächlich alle Merkmale eines klassischen Hexenprozesses auf.

    es ist ein Armutszeugnis, dass keiner der vielen Hollywood-Stars, die sich an Stones Machwerk beteiligt hatten, das Werk des Meisters kritisch hinterfragte.

    • es ist ein Armutszeugnis, dass keiner der vielen Hollywood-Stars, die sich an Stones Machwerk beteiligt hatten, das Werk des Meisters kritisch hinterfragte.

      Exakt das ging mir auch durch den Kopf. Insbesondere Kevin Costner ging ja geradezu auf in seiner Rolle.

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